• „Der Friede ist das höchste Gut.“

  • „Man höre beide Parteien.“

  • „Befleißigt Euch der Gerechtigkeit, die Ihr auf Erden richtet.“

Podiumsdiskussion in Münster: Interessante Thesen und lebhafte Gespräche

Manfred Erdenberger im Gespräch im Dr. Hermann Arnhold, dem Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster, als Auftakt zur DINO-Veranstaltung.
Die beiden zogen Bilanz über den Verlauf der Ausstellung "Frieden. 'Von der Antike bis heute", in deren Rahmen die Podiumsdiskussion stattfand: Eine äußerst interessante und gut frequentierte Ausstellung, zu der auch besonders viele junge Menschen (u.a. auch Schulklassen) kamen, was Dr. Arnhold sehr freute. Denn viel zu oft vergessen vor allem die jüngeren Generationen, dass der Friede, in dem wir heute leben, nicht selbstverständlich ist und dass es noch immer Regionen auf der Welt gibt, in denen Menschen leben, die gar nicht wissen, wie sich Frieden anfühlt.
"Die Menschen kennen den Krieg, wissen aber nicht, worauf sie sich im Frieden einlassen" - Prof. Dr. Moshe Zimmermann fand beeindruckend klare Worte, die zum Nachdenken anregen
"Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Gewalt", erklärte Prof. Dr. Gerd Althoff den interessierten Zuhörern
Die innerreligiöse Toleranz sei als Grundlage bzw. Ursache der Kriege im Nahen Osten zu sehen und darüber hinaus und in der ganzen Geschichte, so Prof. Dr. Sabine Riedel, die damit eine Brücke zum Westfälischen Frieden zog
Krieg sei bis zur Gründung der UN legitimes Mittel der Politik in der westlichen Welt gewesen; heute sei das Problem des internationalen Rechts, dass man Verstöße weltweit nicht ahnden könne, so Prof. Dr. Joachim Gardemann

 

 

 

Lebhaft war sie, die Diskussion auf dem DINO-Podium in der Rüstkammer des Rathauses zu Münster. Lebhaft und hoch interessant. Denn es hatten sich Spitzenköpfe zusammengefunden, um ergänzend zur Ausstellung "Frieden. Von der Antike bis heute" zu fragen: "... und in Zukunft? Auch im Nahen Osten?"

Prof. Dr. med. Joachim Gardemann vom Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe der FH Münster, Prof. Dr. habil. Sabine Riedel, Politikwissenschaftlerin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und Professorin an der Universität Magdeburg, Prof. Dr. Moshe Zimmermann, vielfach ausgezeichneter israelischer Historiker und Prof. Dr. phil. Gerd Althoff, Historiker an der Universität Münster. Diese Vier diskutierten unter der Leitung von DINO-Geschäftsführer Thomas Nehls die Hintergründe, die Gegenwart und wagten auch einen Ausblick in die Zukunft der Nahost-Problematik.

"Alle warten auf den Endsieg im Nahen Osten, deswegen hat der Frieden keine Chance"; klare Worte, die Moshe Zimmermann hier fand. Weiter verwies er darauf, dass die Menschen der Region den Krieg mit all seinen schrecklichen Faszetten kennen würden, beim Frieden aber gar nicht wüssten, worauf sie sich einließen. Bleibt man so eben beim Bekannten? Und was für ein Frieden könnte das sein? Denn wie Prof. Dr. Gerd Althoff betonte, gebe es nicht nur den Sieg- oder Diktatfrieden, sondern auch einen Versöhnungsfrieden - denn "Frieden ist eben nicht nur die Abwesenheit von Gewalt". Der Siegfriede lässt in dieser Region seit Jahrhunderten auf sich warten. Aber ist ein Versöhnungsfrieden, bei dem Kompromisse geschlossen werden müssen, überhaupt möglich im Nahen Osten?

Wenn man nach dem Frieden fragt, muss man sich auch die Frage stellen, wo kommt denn der Krieg überhaupt her? - Er habe seine Ursachen in der fehlenden innerreligiösen Toleranz, so Prof. Dr. Sabine Riedel. Alle Religionen - hier der Islam - zeichneten sich durch Pluralismus aus, und diese Vielfalt würde von keinem der betroffenen Staaten anerkannt. So sei es vor vielen hundert Jahren auch in Europa gewesen, die Causa also in der Geschichte nicht neu.

Prof. Dr. Joachim Gardemann beschritt den Weg in die Problematik vom völkerrechtlichen Ansatz aus: beispielsweise sei der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ein zunächst noch innerisraelisches Problem. Er sei Befürworter der Zwei-Staaten-Lösung, denn dann könnten auch die Völkerrechte greifen.

Dann der Einwand von Moshe Zimmermann: "Der Konflikt im Nahen Osten begann nicht mit der Religion"! Zunächst sei es um territoriale Ansprüche gegangen, die religiöse Komplexität erst später dazugekommen, so dass man den Überblick verloren habe, worum es eigentlich gehe - Frieden aussichtslos?

Prof. Dr. Sabine Riedel verwies daraufhin auf die Herkunft der Konfliktstaaten als "Erben" des Osmanischen Reiches. Bei der Aufteilung hätten die Westmächte (Frankreich und Großbritannien) es versäumt, auf einer Trennung von Staat und Kirche zu bestehen, wodurch eine Modernisierung nicht habe stattfinden können, im Gegenteil sei es durch die mancherorts erfolgte Machtergreifung religiös extremistischer Gruppierungen sogar zu einer Rückentwicklung bzw. Re-Islamisierung gekommen. - "Da muss ich protestieren'", entgegnete Moshe Zimmermann, "meine Welt ist keine rückständige Welt!" Vielmehr sei die "europäische Arroganz" nicht unschuldig an der Situation in Israel und Palästina.

So spannend ging es noch eine zeitlang weiter und schließlich musste Moderator Thomas Nehls eingreifen und die Diskussionsrunde beenden, denn so viel mehr hätte man zu diesem Thema sagen können, so viele andere Seiten gab es noch zu beleuchten - ein einem Abend leider gar nicht zu schaffen.

Ein "Gruß aus dem Orient" von seiner Seligkeit Patriarch Gregorius III Laham

"Vertrauensverlust - sagt Vatikan II - ist der Grund für alle Konflikte und Kriege."

Als Ehrengast der Podiumsdiskussion in Münster hielt Patriarch Gregorius III eine bewegende Ansprache, die gerade in der heutigen Situation zum Nachdenken anregt. Hier Auszüge daraus:

"Gott hat das himmlische Jerusalem gegründet als Heimat aller Menschen. Daher darf das irdische Jerusalem nicht an eine Person oder ein Volk gebunden werden, denn Jerusalem ist die Mutter von uns allen. Ich betrachte Jerusalem, wo ich 26 Jahre lang als Bischof wirkte, als die Hauptstadt unseres Glaubens, gleich ob wir Juden, Christen oder Moslems sind. Das ist Ihre Zukunft und Ihre Aufgabe. Dies ist die Zukunft und Aufgabe des Nahen Ostens und aller seiner Bewohner. Juden, Christen, Moslems, die mit einander leben und das noch für tausende von Jahrhunderten. ... Wir müssen unseren Glauben brüderlich teilen. Dies ist die Zukunft, die Grundlage des Friedens. ...

Wir stellen fest, dass Kriege und Krisen die Folge des Konfliktes Israel-Palästina sind. Dazu gehören auch die fundamentalistischen Bewegungen und die Zerrissenheit in der arabischen Welt.

Auch das Bestehen des Hasses, die Hoffnungslosigkeit speziell in der Jugend. Die Auswanderung hat seine Wurzel in diesem Konflikt. Eine gemeinsame konstruktive Haltung der arabischen Staaten könnte Frieden bringen im Nahen Osten. Dafür unabdingbar ist eine entsprechende Haltung USA-Russland-Europäische Union.

Umgekehrt zerstörend für den Frieden und das Zusammenleben, für die christliche Präsenz, ist der Versuch, die arabischen Staaten zu fragmentieren. Dies ist der Fall besonders in den letzten Jahren des Krieges im Irak, in Syrien und Palästina. Wir bitten die Welt, von dieser Politik Abstand zu nehmen. ... Die Auswanderung der Christen ist hauptsächlich Folge dieses Konfliktes. Diese Auswanderung bedeutet Verlust der Vielfalt des Zusammenlebens und des Dialoges auf allen Ebenen. ...

Es gibt kein Vertrauen zwischen Europa und der arabischen Welt, Islam und Christentum. Dazu meine persönliche Meinung und in Anbetracht der vielen Kriege im Nahen Osten seit 70 Jahren, kann die gewünschte neue arabische Welt nur verwirklicht werden durch die Lösung des israelisch-arabischen Konfliktes. Und obendrein: Es gibt keine neue arabische Welt ohne arabische Staaten zu fragmentieren, z.B. in Clane, Religionen, Christen, Sunniten, Shiiten, Drusen und diese Fragmente zu Kantonen zu arrangieren. Dies bedeutet die Zerstörung der arabischen Welt und des Zusammenlebens sowohl der Moslems untereinander, der Juden und Christen. Die Eklärung Israels zum jüdischen Staat bedeutet auch die Zerstörung der Gesellschaft, bedeutet Krieg, Hass usw. ...

Die Christen haben eine besondere Rolle: Sie sind Brückenbauer im Orient zwischen Orient und Okzident, zwischen Islam und Christentum und Judentum.

Ziel ist: Ein Naher Osten ohne Kriege, ohne Waffen, ohne Hass, ohne Feindschaft. So könnte der Nahe Osten, wo Juden, Christen, Moslems ihren Geburtsort haben, eine Schule für die Welt, ein Heil für alle Wunden des Krieges sein. ...

Wir vertrauen in dieser schweren Aufgabe auf Christus! Sein letztes Wort an seine Apostel war: Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt!

 

Danke - Gregorius III"

 

 

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DINO ist Träger des Muhammad-Nafi-Tschelebi-Friedenspreises 2013.

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